Klimafreundlich durch Anreize – Zur kulturellen Veränderung von Mitarbeitendenmobilität am Beispiel einer Kindertagestätte
Als teilnehmende Einrichtung im Rahmen eines bundesweit organisierten Projekts des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) unter dem Motto „Klimaschutz – hier und jetzt“ wurden in der Kindertagesstätte Lohfelden (zugehörig zum ASB Regionalverband Kassel-Nordhessen) für die Jahre 2022 und 2024 vergleichende Klimabilanzierungen mit dem NiNo-Tool durchgeführt. In der Kindertagesstätte werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt 107 Kinder in mehreren Gruppen mit einer durchschnittlichen Betreuungszeit von sechs Stunden pro Tag von 23 Mitarbeiter:innen (gleichbedeutend mit 17,5 Vollzeitäquivalenten) begleitet. Für die in der Erhebung referenzierten Jahre 2022 und 2024 liegen ähnliche Parameter zugrunde, so dass anzunehmen ist, dass die erfassten und ausgewerteten Daten vergleichbar sind. Geografisch verortet ist die Einrichtung im direkten Landkreis Kassel, dessen sozialkulturelle Prägung im Ursprung als dörflich zu charakterisieren ist. Durch die Nähe zur Stadt Kassel vermischt sich dieses Merkmal zunehmend mit urbanen Eigenheiten.
Das Maßnahmenmanagement ist entscheidend für den bewertbaren Wirkungszusammenhang
Der hiesige fachliche Erfahrungsbericht richtet den Fokus auf die Betrachtung des Teilaspekts Mitarbeitendenmobilität und einer kurzen Nachzeichnung initiierter Maßnahmen. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass die Klimabilanzierung in Gänze mehrere Bereiche umfasst (bspw. auch Verpflegung, Gebäudeenergie, etc.). Ebenso wichtig ist der Hinweis darauf, dass die bloße Bilanzierung an sich nicht zur direkten Verbesserung von messbaren Ergebnissen führt. Vielmehr kommt es auf die Wirkung und Güte eingeleiteter, umgesetzter und nachgehaltener Maßnahmen an, um einen Erfolg evaluieren zu können. Genauso können sich die Resultate zwischen den einzelnen Bereichen unterscheiden.


Abbildungen: Daten zur Mitarbeitendenmobilität aus der Klimabilanzierung 2022; Quelle NiNo GmbH
Abbildung 1 skizziert die Ausgangslage aus dem Jahr 2022. Einerseits ist erkennbar, dass das Anreisemittel zur Arbeit sehr einseitig gewählt wurde und sich in erster Linie auf den Pkw konzentrieret. Klimafreundlichere Alternativen spielten lediglich eine untergeordnete Rolle. Anderseits wurden arbeitgeber:innenseitig auch nur wenige Angebote geschaffen, die die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter:innen eine dieser Alternativen nutzen, nicht zwingend erhöhte. Gemessen an diesen Erkenntnissen sah der in der Folge entwickelte Klimaplan Maßnahmen vor, die insbesondere den Nutzungsgrad des Fahrrads und auch des ÖPNV steigern sollten. In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass die Anbindung via ÖPNV am Standort Lohfelden ausschließlich per Omnibus möglich ist. Potenzial wurde deshalb insbesondere in der verstärkten Verwendung des Fahrrads gesehen, da viele Mitarbeiter:innen auch in entsprechend geeigneter Entfernung zur Einrichtung wohnen. Die Idee bestand letztlich darin, gezielt Anreize zu bieten, die die Verwendung der genannten Alternativen attraktiver und lohnenswerter erscheinen lassen. Mit der Anpassung der Konditionen zur Anschaffung eines Jobrads, der Möglichkeit des Bezugs eines Jobtickets und des Schaffens von Fahrradstellplätzen konnten diesbezüglich wichtige Impulse gesetzt werden. Um das erweiterte Angebot kulturell zu stärken, wurde zudem die aktive Teilnahme an regionalen Projekten wie dem „Stadtradeln“ (Prinzip: Wer mehr Kilometer mit dem Fahrrad fährt, kann für sein:ihr Team einen Preis gewinnen) beworben und initiiert. In der Vergleichsmessung für das Jahr 2024 ergab sich das nachfolgende Bild:


Abbildungen: Daten zur Mitarbeitendenmobilität aus der Klimabilanzierung 2024; Quelle NiNo GmbH
Auffällig ist, dass das Fahrrad und auch der ÖPNV nun verstärkt von den Mitarbeiter:innen genutzt werden, wenngleich der Pkw weiterhin als dominantes Verkehrsmittel verbleibt. Insgesamt ist die Verbesserung durch die initiierten Maßnahmen jedoch offenkundig als signifikant einzustufen – insbesondere, wenn man betrachtet, dass das Fahrrad und ÖPNV mittlerweile gemeinsam für mehr als ein Drittel der An- und Abreisewege genutzt wird.
Das Zusammenwirken von Maßnahmen erzeugt eine kulturelle Symbiose zur Verbesserung der Klimabilanz
Die Bereitstellung von Incentives gepaart mit der kulturell-kommunikativen Verankerung des praktischen Nutzens durch den Einsatz von klimafreundlichen Fortbewegungsmitteln jenseits des Autos kann letztlich für eine mittelfristig erkennbare und kontinuierlich wirkende aktive Verbesserung sorgen. Die Mitarbeitendenmobilität ist vielfältiger, flexibler und anpassungsfähiger. In der Konsequenz findet dieser Effekt schließlich auch in der faktischen Klimabilanzierung Niederschlag, indem dieser in erheblichem Maße dazu beiträgt, die Emissionskenngröße im Bereich Mobilität von 281 kg CO2 (Jahr 2022) auf 211 kg CO2 (Jahr 2024) pro Betreuungsplatz zu reduzieren. Die positiven Auswirkungen und ihre Ausprägungen sind unverkennbar, so dass sie nicht zuletzt auch als Katalysator für die Stärkung eines bewussteren Umgangs mit Umwelt und Umfeld operieren. Ein gezieltes Maßnahmenmanagement stärkt die Einrichtung und ihr Bewusstsein für klimafreundliche Projektvorhaben.
Zum Autor
Sebastian Saalfeld, M.A. (*1990): Qualitätsmanagementbeauftragter im ASB RV Kassel-Nordhessen, Politik- und Sozialwissenschaftler (Schwerpunkt Sozialpolitik)
